Auf dem Boden bleiben
Dieser Beitrag stammt aus den Mailandachten des SRS pro Sportler e.V.
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Ich bin Württemberger. Die Groß-Razzia der Polizei in der baden-württembergischen Vorzeige-Bank LBBW meiner Heimatstadt Stuttgart wegen Verdachts „der schweren Untreue“ ist erschütternd. „Die dort oben haben sich verzockt!“ meinte einer. Die Razzien laufen auch in anderen Bundesländern. Verzockt, schneller Gewinn, vorbei an den Realitäten – vom Boden abgehoben. Aber kein Flug mit sicherer Landung. Schuld sind natürlich andere.
Mir wird das Wörtchen Bodenständigkeit immer wichtiger. Mit dem was ich habe, kann ich etwas anfangen, was ich nicht besitze, gehört mir nicht. Ich kann es mir kaufen, wenn ich es bezahlen kann oder wenn die Lage nach bestem Wissen und Gewissen abgesichert ist. Ein Restrisiko wird bei allem Fortschritt bleiben müssen, sonst würde nichts vorangehen. Es ist aber sehr die Frage, mit welcher Motivation dieses für einen Fortschritt unumgängliche Risiko hinterlegt ist. Das Wort von Haggai 1,7 beschreibt den ersten Schritt für eine gesunde Bodenständigkeit:
So spricht der Herr Zebaoth: Achtet doch darauf, wie es euch geht!
Da knüpft Gott beim Ist-Zustand an. Was war passiert? Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft wohnte man bereits wieder in „getäfelten Häusern“, doch um den Tempel Gottes war es schlecht bestellt. Zweimal gebraucht der Prophet obigen Wortlaut und sieht einen Zusammenhang zwischen dieser Tatsache und „Ihr säet viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und könnt euch doch nicht erwärmen; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel […]“ (Haggai 1, 6) Der Prophet lässt keine Zweifel:
Weil mein Haus so wüst dasteht und ein jeder nur eilt, für sein Haus zu sorgen. Darum hat der Himmel über euch den Tau zurückgehalten und das Erdreich sein Gewächs.
Haggai 1, 9b. 10
Gott sieht nicht den gläsernen Bankpalast oder den superschnellen Sportwagen an – er sieht das Herz an. Dort hinein schaut er. Was sieht er da heute bei dir und bei Helmfried? Nach diesen Entscheidungen, wie sie heute hier und gestern da und morgen dort getroffen werden – wird es uns, vielleicht nicht sofort sichtbar, in Zukunft gehen.
Dass wir uns recht verstehen: Im Herzen können große Dinge mit unzähligen segensreichen Folgen entschieden werden. Das ist seit Jahrhunderten durch christliche Werke und Einrichtungen vielfach belegt. Von John Wesley sagt man, dass durch seine Predigten England vor den Auswirkungen einer Revolution ähnlich der französischen bewahrt worden ist.
Es wird also nicht der Größe einer Auswirkung eine Grenze gesetzt, sondern es soll im Namen Jesu geschehen. Jedes Geschäft. Jeder Handel. Jedes Unterlassen. Fehler macht auch der Christ. Aber Gott sieht nicht letztlich die Unfähigkeit in dieser oder jener Entscheidung an, sondern das Herz. Wenn wir so, auch in Hilflosigkeit, bei ihm bleiben, übernimmt er doch die Verantwortung! Er hat sie für unser ganzes Leben übernommen – wenn wir ihn lassen. Ihm das zu „erlauben“ und ihm dafür zu danken, ist Weihnachtsgeschenk pur.
Haggai wagt, ohne mit der Wimper zu zucken, in ganz ähnlichem Wortlaut die Prognose, dass, wenn sie anfangen, wieder zuerst „am Haus des Herrn weiterzubauen“, sie sofort eine positive Veränderung in der Wirklichkeit feststellen können. Segen der Bodenständigkeit an der richtigen Stelle. Auch in Württemberg.
Helmfried Riecker
