Benehmen und Glaube
Dieser Beitrag stammt aus den Mailandachten des SRS pro Sportler e.V.
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Dass einem im Wettkampf mal die Pferde durchgehen können, hat wohl jeder schon an sich selbst erfahren. Und das könnte heute Abend beim Spiel Deutschland gegen Ghana genauso sein. Und sicher nicht nur im Sport. Was dann aus uns heraus bricht an Wortwahl und Lautstärke, ist unüberhörbar – und beeindruckt. Wir merken hinterher, dass das keine Bestätigung für unser Christsein war. Oder eben eine negative: „Seht, dem geht es ja auch nicht anders, soll man nur nicht so tun mit seinem Glauben!“ (Und unausgesprochen: „Für mich ist der Glaube an Jesus nichts.“)
Ja, schlechtes Benehmen erregt negatives Aufsehen. Es ist letztlich auch nicht entschuldbar mit „man muss eben auch seinen Frust herauslassen.“ Gewiss kann man Verständnis dafür aufbringen – und doch bleibt der Geschmack: „Jetzt hast du negativ überzogen!“
Auch verhindert dies, dass wir unsere sportliche Bestleistung abrufen können. Sowohl die Korrektur von anderen bei uns, als auch unsere Korrektur bei anderen ist hier der entscheidende Schritt zur Besserung. Man muss darüber sprechen – und sich, wo es ausgeartet ist, vergeben lassen.
Hudson Taylor, Leiter und Gründer der China-Inland-Mission, brachte dies auf den Punkt: „Nichts kann uns mehr schaden, als wenn wir es am Takt und der Höflichkeit fehlen lassen… Wirklich einfältige und ungehobelte Leute werden sich selten auf dem heißen Boden Chinas behaupten. Und obgleich ernst und fromm, werden sie nicht viel ausrichten.“
Es geht also darum, Christus als „ruhenden Pol“ in uns zu behalten.
„Macht Christus zum Herrn eures Lebens. Und wenn man euch nach eurer Hoffnung fragt, dann seid immer bereit, darüber Auskunft zu geben, aber freundlich und mit Achtung für die anderen.“
1. Petrus 3, 15
Wer den ruhenden Pol gefunden hat, behält (viel eher) den Überblick und kann überlegter handeln. Die Ruhe in der brenzligen Situation können wir uns von Gott schenken lassen. Denn Ruhe kann bedeuten, jetzt nichts zu sagen. Aber anstatt es in sich hineinzufressen, es vor Jesus bringen. „Du bist jetzt der Herr der Situation! Mir geht es dreckig, aber ich vertraue mich dir an!“
Über Aggressionen über gemachte Fehler sagt Deutschlands erfolgreichster Golfer, Bernhard Langer:
„Generell macht es am meisten Sinn, Fehler möglichst schnell zu akzeptieren und wegzustecken. Der Fehler ist Geschichte, lässt sich nicht mehr ändern. Man muss lernen, sich selbst zu vergeben, und zwar ziemlich bald… Ich hatte durchaus auch eine Phase, in der ich auf mich selbst wütend wurde, wenn ich einen Fehler machte und mich dann eine Stunde lang selbst beschimpfte… Eine ziemlich unnütze Sache. Also heute versuche ich mich nur ganz kurz über mich selbst zu ärgern und das Ganze dann hinter mir zu lassen. Bis zum nächsten Schlag muss ich den Fehler akzeptiert haben, damit ich mich auf ihn konzentrieren kann…“
Und über Sorgen und andere Befürchtungen meint er:
„Alles in allem bin ich ein Mensch mit positiver Grundeinstellung. Wir alle neigen dazu, eher die schlechten Zeiten zu sehen. Deshalb versuche ich bewusst, mich mehr auf das Positive zu konzentrieren. Meiner Meinung nach können wir uns selbst und unser Leben nur dann verbessern, wenn wir auf die positiven Dinge schauen und uns nicht ständig mit der Vergangenheit beschäftigen… Es gibt zu viele Ängste und Befürchtungen in unserem Leben, die uns blockieren. Ich jedenfalls habe mit der Zeit festgestellt, dass es oft keinen Sinn macht, alles selbst in die Hand nehmen zu wollen, weil es einfach zu viele Dinge gibt, auf die ich gar keinen Einfluss habe… Es ist besser, wenn ich das alles Gott überlasse und meine Energie auf diejenigen Dinge konzentriere, die ich selbst in der Hand habe.“
(Aus: Bernhard Langer – Meine Lebensgeschichte)
Helmfried Riecker
