Menschenfurcht

Menschenfurcht ist ein Thema, das gefühlt fast jeden betrifft, den ich kenne. Es geht beispielsweise um die Angst, dem Chef, den Eltern, den Sportkollegen, den Sponsoren oder dem Ehepartner zu widersprechen und etwas zu sagen, das nicht den Wertvorstellungen des anderen entspricht – aber deine Grundsätze widerspiegelt.

Wie geht es dir mit diesem Thema? Ist es dir egal, was andere über dich denken oder sagen? Ich selbst habe immer wieder Probleme damit. Woher kommt das und wie kann ich es lernen, damit besser umzugehen? Vor kurzem habe ich ein Seminar zu diesem Thema besucht und mir einige kluge Gedanken von Frank Döhler (Pastor aus Dresden) ‚geklaut‘, um sie mit euch zu teilen.

„Der, dem du gefallen möchtest, bestimmt, was du tust!“ In meiner Schulzeit wollte ich zu den coolen Jungs der Klasse gehören und versuchte ihnen zu gefallen. Dabei tat ich einige Dinge, auf die ich heute nicht unbedingt stolz bin. Auf ähnliche Weise gerate ich auch jetzt noch in Situationen, in denen ich meinem Chef oder den Kollegen gefallen will. Alles, um gut dazustehen. Und mal ehrlich: Wie oft passiert es, dass deine Werte, auch Gottes Werte, Gesetze und Vorstellungen mit denen der anderen kollidieren? Ich erwische mich dabei, wie ich aus Furcht vor Zurückweisung von Kollegen, Chef, Partner, Freunden – kusche. Stimmt, Gott wird mir schon vergeben. Aber möchte ich meine Prioritäten wirklich so aufs Spiel setzen?“

König Saul wollte dem Volk mehr gefallen als Gott und wiedersetzte sich Gottes Anweisungen, denn er hatte Angst vor seinen Männern (die komplette Geschichte kannst du in 1.Samuel 15,1-16 nachlesen). David dagegen wollte Gott gefallen und nicht dem Volk. Er tanzte zu Gottes Ehre vor dem Volk: Und das nur spärlich gekleidet. Dabei war es ihm anscheinend egal, was sein Gefolge von ihm dachte. Und sein Auftritt scheint nicht gerade wenig peinlich gewesen zu sein, denn sogar seine Frau war beschämt über seine Tanzeinlage (2.Samuel 6,14-23).

Ich glaube, Menschenfurcht hat ganz viel mit der eigenen Prägung zu tun. Durch Mobbing oder Ausgrenzung in Schule, Sportverein, Familie, Ausbildung wird dies meist schon in jungen Jahren gefördert und ist schwer abzulegen. In meiner D- und C-Jugendzeit im Fußball wurde ich auch oft ausgegrenzt oder belächelt, sodass ich immer wieder versuchte, irgendwas zu tun, um den anderen zu gefallen.

Dankbarerweise habe ich in der Zeit das Mountainbiken für mich entdeckt. Das lag mir und dort konnte ich jemand sein. Nicht gesehen zu werden war meine große Angst. Denn hinter Menschenfurcht steckt oft genau diese Angst, nicht wahrgenommen zu werden. Auf einmal war ich der Biker, der mehr als die andern konnte. Und ich wurde auf einmal gesehen! Trotzdem war die Angst, übersehen zu werden, immer noch da. Ich habe deshalb immer wieder versucht, mich vor den anderen zu beweisen. Habe immer neue, größere Sprünge gewagt, um zu zeigen wer ich bin. Klar, das war mein Ansporn, aber aus falschen Motiven heraus. Denn was war in Wirklichkeit passiert? Ich habe mich von der Anerkennung und dem Urteil der anderen abhängig gemacht! Ich habe ihre Meinung über Gottes Meinung gestellt und mich in einer selbstgewählten Gefangenschaft verfranzt.

Die Frage ist: Von wem will ich mich und von wem willst du dich abhängig machen? Wessen Anerkennung oder Meinung bestimmt mein und dein Handeln? Denn die du liebst, denen möchtest du gefallen! Oder umgedreht gesagt: Wem du gefallen möchtest, die liebst du?

Steile These: „O Mann, das bedeutet ja, dass mir mein Umfeld wichtiger ist als Gott! Und mir eigentlich auch wichtiger ist, was andere über mich sagen. Wichtiger als das, was Gott über mich denkt!“ Wenn wir aber unsere Anerkennung und Wertschätzung nur noch von Gott abhängig machen, dann wird es weniger bis keine Menschenfurcht mehr geben. Denn Menschen können deinen Ruf nicht mehr zerstören, wenn du nicht mehr von ihnen abhängig bist.

Wir glauben immer noch an die Lüge, dass wir jemand in der Welt sein müssen. Wo lässt du dich in deinem Leben mehr von Menschen gängeln, als dich von Gott leiten zu lassen? Hör damit auf, denn du bist bei Gott hoch angesehen und ganz liebevoll wertgeachtet.

„Was immer ihr tut, ob ihr esst oder trinkt oder was es auch sei – verhaltet euch so, dass Gott dadurch geehrt wird.“ 1.Korinther 10,31 

Tobias Mittelbach

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